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Kunst am Gebäude

Lange Jahre befand sich in unseren Räumlichkeiten das Bankhaus Schröder Münchmeyer Hengst & Co., für dessen Fassade der schottische Lyriker Ian Hamilton Finlay die so genannten „One Word Poems“ – also Gedichte aus einem Wort – entwickelte. Jedes dieser Gedichte steht in Verbindung mit dem Geschäftsbetrieb einer Bank, auch wenn sich das auf Grund hintersinniger Kommentare oder scheinbar weit entfernter Zitate nicht sogleich erschließt. Die Gedichte sind in aufwendiger Steinmetz-Arbeit auf quadratische, anthrazitfarbene Granitblöcke gesetzt und wirken gleichzeitig massiv und edel. Finlay war 1987 auf der documenta 8 in Kassel vertreten; seine Werke sind in ganz Europa zu finden.

Die Kunstwerke

Affluence (Wohlstand): Feinsinnig und hintergründig kehrt Finlay die Realitäten um, indem er Wohlstand als „Mangel an Sack und Asche“ (Mangel an Armut) definiert. „Durch die Vernachlässigung von öffentlicher Arbeit entsteht ein Umfeld von privatem Wohlstand, begleitet von öffentlichem Schmutz.“ (Zitat aus Scruton: Wörterbuch des politischen Denkens)

Capital (Kapital, Kapitell, Haupt): Ein Wort – drei Deutungen. Finlay verbindet die Begriffe Kapital und Haupt zur „Krone der Republik“, gefolgt von der Beschreibung einer Säulenkrone: „Das Kapitell ist in Form eines Olivenblattes gemeißelt und sehr schön herausgearbeitet“ (Zitat aus Palladio: Die vier Bücher der Architektur)

Farthing (Viertelpenny): „Eine Münze mit etwas Wert.“ Die kleinste britische Münze ziert das Bild eines kleinen Vogels. Finlay ergänzt in dem Sinne, dass Gott sich auch um die kleinsten Geschöpfe kümmere: „Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Dennoch fällt deren keiner auf die Erde ohne euren Vater.“ (Zitat aus Matthäus 10, Vers 29)

Patch (Flicken): „Ein ganzer Teil“. Für Finlay ist der Flicken ein sichtbares Zeichen von Fehlbarkeit, die auch vor Gott Gnade findet. „Aber Gnade erfreut sich an allem, was rein und bescheiden ist; verschmäht nicht grobe Dinge und verweigert sich auch nicht dem, das einen Flicken trägt.“ (Zitat aus Thomas von Kempi: Die Nachfolge Christi)

Sackcloth (Sackleinen): „Ein irdisches Material – ein himmlischer Stoff“. Einerseits ein Synonym für ärmliche Kleidung, andererseits ein Begriff für Demut. „Der, der hungert, vertraut darauf, gesättigt zu werden. Fasten schützt vor dem Hungertod. Und eine Weile Sackleinen zu tragen, bewahrt uns davor, es jeden Tag tragen zu müssen.“ (Zitat aus einem Predigttext)

Wild Flower (Wildblume): „Eine Verbindung von Revolution und Tugend“. Die wilde Blume (die Provinz) als Gegenentwurf zur Kulturlandschaft (Paris): „Das Gedenken an (das unabhängige Handeln der) ländlichen Kommunen entspricht wilden Blumen, die mitten aus der Ernte zu wachsen scheinen.“ (Zitat aus Michelet: Geschichte der französischen Revolution)


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